Fachbegriffe der Personenzählung
PoE, ToF, Stereo, bidirektional, Occupancy – rund um Personenzähler fallen viele Fachbegriffe. Hier erklären wir die wichtigsten kurz und verständlich: wie die Geräte mit Strom versorgt werden, wie die einzelnen Sensoren „sehen“ und was die Begriffe für Ihre Auswertung bedeuten.

Strom und Datenübertragung
- PoE (Power over Ethernet)
- Strom und Daten über ein einziges Netzwerkkabel. Der Sensor braucht keine eigene Steckdose – ein PoE-fähiger Switch oder ein PoE-Injektor speist ihn über das LAN-Kabel. Typisch sind Kabelwege bis 100 m. Standard-PoE (IEEE 802.3af) liefert bis ca. 15 W am Switch-Port, PoE+ (IEEE 802.3at) bis ca. 30 W – manche Sensoren, z. B. der MS ToF 3.5 PoE, benötigen PoE+.
- LAN / Netzwerk
- Kabelgebundenes Netzwerk. Die meisten Decken- und Kamerasensoren hängen per PoE am LAN – stabil und ohne Funkstörungen.
- LTE / 4G
- Mobilfunk für Standorte ohne eigenes Netz. Manche Sensoren haben das Modem bereits eingebaut (z. B. SensMax TAC-B 4G – kein Schaltkasten nötig), bei Kameras sorgt ein externer LTE-Router im Schaltkasten für die Verbindung.
- NB-IoT
- Stromsparender Mobilfunkstandard für kleine Datenmengen. Batteriebetriebene Zähler wie die IMBuildings NB-IoT Outdoor senden ihre Zählwerte damit direkt in die Cloud.
- Solarversorgung
- Solarmodul, Laderegler und Akku versorgen einen Sensor ohne Stromanschluss, z. B. das Solarsystem SPS20 für Radarsensoren. Das Modul braucht Sonne – unter dichten Bäumen reicht der Ertrag oft nicht.
- Dauerstrom
- Stromanschluss, der rund um die Uhr Spannung liefert. Viele Straßenlaternen sind nur nachts eingeschaltet – für einen Sensor an der Laterne braucht es einen Anschluss mit Dauerstrom.
Sensoren und Messprinzipien
- Infrarot-Lichtschranke
- Ein unsichtbarer Infrarotstrahl verläuft zwischen Sender und Empfänger (oder einem Reflektor). Wird er unterbrochen, zählt das Gerät. Wer nebeneinander oder ohne Lücke dicht hintereinander durchgeht, unterbricht den Strahl nur einmal und wird als eine Person gezählt. Mehr: Lichtschranken.
- Radar (60 GHz)
- Der Sensor sendet Millimeterwellen und wertet die Reflexionen aus – Entfernung, Winkel und Geschwindigkeit, ganz ohne Bild. Über die Geschwindigkeit lassen sich z. B. Fußgänger und schnellere Radfahrer unterscheiden – langsam fahrende Fahrräder (unter ca. 12 km/h) erkennt der Radar fälschlich als Fußgänger; eine KI-Kamera erfasst Fahrräder unabhängig vom Tempo. Bis zu 99 % bei lockerem Personenstrom (ca. 1 Person/m²); bei dichterem Andrang werden Personen zusammengefasst. Mehr: Radar.
- ToF (Time of Flight)
- Laufzeitmessung mit Licht: Der Sensor sendet unsichtbares Infrarotlicht aus und misst für jeden Bildpunkt, wie lange es bis zum Boden oder zum Kopf einer Person und zurück braucht. So entsteht ein reines Höhenprofil – kein Kamerabild. Weil der Sensor sein eigenes Licht mitbringt, ist er weitgehend unabhängig von der Beleuchtung. Mehr: ToF-Sensoren.
- 3D-Stereokamera (3D-Bild)
- Zwei Kameraoptiken im festen Abstand – wie unsere beiden Augen – blicken von oben auf den Eingang. Aus den leicht unterschiedlichen Perspektiven berechnet der Sensor für jeden Punkt die Entfernung: ein 3D-Bild bzw. Tiefenbild. Darin erkennt er Köpfe und Schultern, unterscheidet Personen von Schatten, Taschen oder Einkaufswagen und verfolgt jede Person einzeln – auch in Gruppen. Bilder verlassen das Gerät nicht. Mehr: 3D-Sensoren (Xovis).
- KI-Kamera / Edge-KI
- Netzwerkkamera, in der eine künstliche Intelligenz das Videobild direkt im Gerät auswertet („Edge“): Sie erkennt Personen und Fahrzeuge über Konturen und Kontraste und zählt sie an Zähllinien. Gespeichert werden nur Zahlen. Mehr: KI-Kameras.
- Tiefenbild / Höhenprofil
- Bild, in dem jeder Punkt eine Entfernung statt einer Farbe enthält. ToF- und 3D-Stereosensoren arbeiten damit – Gesichter oder Kleidung sind darin nicht erkennbar.
Unidirektional und bidirektional – was heißt das genau?
- Unidirektional
- Der Zähler erkennt nur, dass jemand durchgegangen ist – nicht in welche Richtung. Jeder Durchgang wird gleich gezählt, ob hinein oder hinaus.
- Bidirektional
- Der Zähler erkennt zusätzlich die Richtung: Eintritt und Austritt werden getrennt gezählt. Lichtschranken nutzen dazu zwei Strahlen und werten die Reihenfolge der Unterbrechung aus; Radar, 3D-, ToF-Sensoren und KI-Kameras verfolgen die Bewegung und kennen die Richtung ohnehin.
| Auswertung | Unidirektional | Bidirektional |
|---|---|---|
| Besucher pro Tag | am Tagesende Summe aller Durchgänge ÷ 2 (unter der Annahme, dass jeder wieder hinausgeht) | Eintritte direkt ablesbar |
| Stundenwerte | Durchgänge je Stunde – aber nicht, ob hinein oder hinaus. Daraus lässt sich keine Belegung im Tagesverlauf ableiten | Eintritte und Austritte je Stunde – daraus ergibt sich die Belegung zu jeder Stunde |
| Aktuelle Belegung (Occupancy) | nicht möglich | möglich: Eintritte − Austritte |
| Einlassampel / Maximalbelegung | nicht möglich | möglich – bei Echtzeit-Übertragung |
| Typischer Einsatz | einfache Besucherstatistik je Tag, Trends | Belegung, Ampel, Stundenauswertung, Verweildauer-Schätzungen |
Beispiel: Ein unidirektionaler Zähler meldet von 10 bis 11 Uhr 40 Durchgänge. Ob 40 Personen gekommen sind, 40 gegangen sind oder je 20 – das weiß niemand. Erst am Abend, wenn (fast) alle wieder draußen sind, ergibt die Tagessumme ÷ 2 die Zahl der Besucher.
Zählung und Auswertung
- Zähllinie
- Virtuelle Linie im Erfassungsbereich eines Sensors. Wer sie überquert, wird – je nach Richtung – als Eintritt oder Austritt gezählt.
- Zone
- Fläche im Erfassungsbereich, in der der Sensor die anwesenden Personen zählt – z. B. eine Wartefläche oder ein Messestand.
- Belegung (Occupancy)
- Wie viele Personen sich gerade in einem Raum oder Gebäude befinden: Eintritte minus Austritte. Grundlage für Einlassampeln und Maximalbelegung – setzt bidirektionale Zählung voraus.
- Besucherfrequenz
- Anzahl der Besucher in einem Zeitraum, etwa pro Stunde oder Tag. Für Trends und Wochentagsmuster reicht oft schon ein unidirektionaler Zähler.
- Verweildauer
- Wie lange Personen an einem Ort bleiben. Sie wird je nach System aus Zonen, Laufwegen oder Belegungsverläufen ermittelt – nicht jeder Zähler liefert sie.
- Zählgenauigkeit
- Abweichung zwischen gezählten und tatsächlichen Personen, meist in Prozent. Herstellerangaben gelten unter bestimmten Bedingungen (Montagehöhe, Dichte, Licht) – Details unter Wie genau ist genau?.
- Konversionsrate
- Anteil der Besucher, die etwas kaufen oder ein Gespräch führen – z. B. Kassenbons ÷ Besucher im Handel oder Standbesucher ÷ Passanten auf der Messe.
- Echtzeit
- Die Zählwerte stehen sofort zur Verfügung, nicht erst nach dem Auslesen oder im nächsten Übertragungsintervall – Voraussetzung für Ampeln und Live-Anzeigen.
- MultiZone
- Mehrere Sensoren oder Kameras werden zu einer Gesamtbelegung zusammengefasst; Durchgänge zwischen Räumen verschieben Personen von Zone zu Zone.
Licht und Beleuchtung
Wie die einzelnen Techniken mit Dunkelheit, Gegenlicht und wechselndem Licht umgehen.
| Technologie | Womit „sieht“ der Sensor? | Licht | Kritisch bei |
|---|---|---|---|
| Lichtschranke | eigener Infrarotstrahl zwischen Sender und Empfänger bzw. Reflektor | unabhängig von der Raumbeleuchtung | direkter Sonneneinstrahlung in die Optik, verschmutzter Optik, Türflügeln im Strahl |
| Radar (60 GHz) | Funkwellen – Entfernung, Winkel, Geschwindigkeit | völlig lichtunabhängig – auch bei Dunkelheit, Nebel, Rauch und Staub | dichtem Andrang: Personen werden zusammengefasst |
| 3D-Stereo (Xovis) | zwei Bilder im vorhandenen Licht, daraus ein Tiefenbild | braucht etwas Licht (min. 2 lux) und möglichst gleichmäßige Beleuchtung; Schatten werden über die Höhe erkannt | sehr dunklen Bereichen, stark wechselnder Beleuchtung |
| ToF (MS ToF) | eigenes, unsichtbares Infrarotlicht (940 nm) – Laufzeit je Bildpunkt | unabhängig vom Umgebungslicht – Dunkelheit, Gegenlicht, Farb- und Effektlicht stören kaum | sehr dunklen Böden (automatische Höhenerkennung), Einsatz nur innen |
| KI-Kamera | normales Kamerabild – Personen und Fahrzeuge werden über Konturen und Kontraste erkannt | braucht ausreichende, möglichst gleichmäßige Beleuchtung; außen nachts mit Infrarot | schnell wechselndem Licht (Stroboskop, Lichtshow), starkem Gegenlicht, Spiegelungen |
Beispiel Club oder Diskothek: Stroboskop, Lichteffekte und schnell wechselnde Helligkeit verändern ständig die Kontraste im Kamerabild – eine KI-Kamera kommt hier an ihre Grenzen. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich den ToF-Sensor MS ToF mit Auswertung in Vemcount, der mit eigenem Infrarotlicht misst. PreViCount AI setzen wir dort nur in Bereichen ohne Stroboskop oder Effektlicht ein. Mehr unter Clubs, Bars & Diskotheken.
Datenschutz-Begriffe
- Anonyme Zählung
- Es entstehen nur Zahlen – keine Daten, die sich einer Person zuordnen lassen.
- Privacy Level
- Datenschutzstufen bei Xovis-Sensoren: Sie legen fest, ob und in welcher Form überhaupt noch ein Bild zur Einrichtung verfügbar ist.
- Mosaikfilter
- Bei KI-Kameras macht er Gesichter und Kennzeichen in allen Kamerabildern unkenntlich.
Mehr dazu im Beitrag Datenschutz & DSGVO.
Welcher Personenzähler passt zu Ihrem Eingang?
Wir beraten herstellerübergreifend – von der batteriebetriebenen Lichtschranke bis zum KI-3D-Sensor. Schildern Sie uns kurz Ihren Einsatzort, wir melden uns mit einer konkreten Empfehlung.

